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Ein supercooler Typ

Der Typ ist einfach umwerfend. Eine sofort einnehmende Erscheinung. Nicht seiner körperlichen Größe wegen – die inneren Werte und seine Fähigkeiten sind es, die ihn so besonders, so einzigartig machen. Er führt ein intensives Nachtleben. Klar, das liegt in seinen Genen. Alles ist perfekt auf seinen Lebensrhythmus abgestimmt. Wozu sollte ihm zum Beispiel der „Genussvolle Blick“ seine Welt in Farbe zeigen? In der Nacht reicht doch Schwarz-Weiß, oder? Tagsüber schläft er sowieso die meiste Zeit. Warum? Weil McKäfer, Café Nachtfalter und die Fliegenbar, seine Lieblingslokale, nur nachts geöffnet haben. Wozu also Energie für völlig unnütze Sightseeing-Trips in glühender Mittagszeit verschwenden? Erfolgsorientiert, lebensnah, konsequent und diszipliniert sein – das ist seine oberste Maxime, so erreicht er seine Ziele. Zugegeben, seine Ziele beschränken sich auf drei Schwerpunkte: 1. Fressen. 2. Nicht gefressen werden. 3. Sich ohne große Liebesmühen vermehren. St.dteflüge, Instagram und Work-Life-Balance können ihm gestohlen bleiben. Bravo! Volle Konzentration auf das Wesentliche – dafür hat er gigantische Fähigkeiten entwickelt. Wir brauchen Augengläser, er hat ein perfektes Ultraschallsystem. Wir quetschen unsere Sinne für höchst magere Ergebnisse aus, er kann, egal ob bei Tageslicht oder in pechschwarzer Nacht, einen 0,05 Millimeter starken Draht – hallo: NULLKOMMANULLFÜNF! – aus EINEM Meter Entfernung wahrnehmen.
Während wir durch Supermarktregale torkeln, steuert er zielgerichtet und schnurgerade auf seine Lieblingsspeisen zu, die oft nicht größer als drei Millimeter sind und von denen er am Tag so 1000 Portiönchen verdrücken muss, um satt zu werden. Mit kleinen Freudenrufen, so hoch und so fein, dass plumpe Menschenohren sie nicht hören können, navigiert er sich mit unfassbarer Sicherheit und Gelassenheit durch die Gegend. So schafft er es, sich nicht nur selbst den Bauch vollzuschlagen, sondern den Fressgelüsten all jener, bei denen er auf dem Speisezettel steht, mühelos zu entkommen. Auch in puncto Liebe zählt allein die Effizienz: Wenn es Winter wird, die Damen es sich bereits gemütlich eingerichtet haben, schaut unser Casanova schnell mal auf einen kurzen Sprung vorbei. Ende der Liebe. Tschüss, ade, bis zum nächsten Jahr.
Das bedeutet aber keineswegs, dass unser Held nicht ein überaus geselliger Typ wäre – wann immer es nur geht, sucht er Körperkontakt, um so richtig heftig zu kuscheln, am liebsten mit möglichst vielen Kollegen. Das schafft Körperwärme und spart Energie, die anderswo besser eingesetzt werden kann – genau, zum Beispiel für den Kampf ums Essen! Oder um die schrecklich kalten Winter mit Eis und Schnee zu überleben. Ziehen wir, sobald es kalt wird, auf die Kanaren und die Malediven, sucht er sich einen ruhigen Ort, um gemeinsam mit netten Freunden mal richtig abzuhängen. Viel Schlaf, low energy und null Trallala garantieren das Erwachen im nächsten Jahr. Und natürlich die richtige Location. Die hat er gefunden! Es hätte Nizza, Berlin oder die Tower Bridge sein können (okay, einige seiner Verwandten vergnügen sich dort …), aber er hat sich, nach höchsteigenen Angaben, wie er nicht müde wird zu erzählen und immer wieder betont, den womöglich schönsten, besten und aufregendsten Platz der Welt ausgesucht: die Hermannshöhle. In Kirchberg am Wechsel. In Niederösterreich. Die größte Tropfsteinhöhle des Landes. Sie ist eine echte Luxusabsteige mit marmorartigem Kalkstein, Dekorationen aus Feldspat, Quarz und Glimmer. Hierher zieht sich unser Held mit einem kleinen Kreis von 700 Freunden zurück, und Körper an Körper genießen sie 4277 Meter Stille bei gleichbleibender Temperatur und in fast keimfreier Luft. Was für ein supercooler, kluger Typ sie doch ist, die kleine Hufnasenfledermaus …